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Sonntag, 20.05.2012

Das Jahrhundert Hochwasser

19. Oktober 2011 

Die Bilder dieses Beitrages sind von Maria und Isabella, die sie mir netterweise zur Verfügung gestellt haben. 

Das Jahrhundert Hochwasser 

Es ist wirklich so, dass man von einem Jahrhundert Hochwasser in Thailand reden kann. Da im Juni schon mehr Regen fiel als üblich und danach kontinuierlich immer wieder mehr als in sogenannten „normalen“ Jahren, bleib es nicht aus, dass auf der einen Seite die Stauseen bereits annähernd voll waren und anderseits die Böden schon am Anschlag waren mit dem Wasser, dass sie aufnehmen können. Und dies bereits bevor dann die Hauptregenzeit von September bis Ende Oktober begann. Und dann nahm das Schicksal seinen Lauf, und man konnte da nicht mehr allzu viel dagegen unternehmen.

Zuerst begann es im Norden, Chiang Mai war unter Wasser. Das abfliessende Wasser bewegte sich nun Richtung Süden, durch Zentralthailand. Und da treffen immer wieder grosse Flüsse zusammen, und jeder brachte selbst riesige Wassermassen mit. Und gleichzeitig musste an den Dämmen das Wasser abgelassen werden, damit diese nicht brechen. An den Knotenpunkten, und hier vor allem bei Nakhon Sawan, wo diese in den Hauptfluss Chao Phraya münden, wurde buchstäblich die ganze Stadt und das angrenzende Umland unter Wasser gesetzt. Und damit meine ich, dass das Wasser zeitweilen bis zu 3 Meter hoch stand.

Auch die dann weiter südlich gelegen Provinz Ayutthaya wurde überschwemmt. Und diese Gebiete sind das bereits seit mehreren Wochen. Und das Wasser bewegt sich weiter nach Süden, wo dann eben als letztes Hindernis Bangkok steht. Problematisch an diesem Umstand ist, dass Bangkok praktisch auf Meereshöhe liegt, teilweise Bezirke, die sogar etwas darunter liegen, und sich deshalb das Wasser nur sehr langsam zum Meer hin bewegt. Und da die Verantwortlichen beschlossen haben, Bangkok zu retten, was ja durchaus verständlich ist, wurde oberhalb der Hauptstadt das Wasser wenn immer möglich gestaut, umgeleitet mit dem Ziel, dass Wasser links und rechts um die Hauptstadt zum Meer fliessen zu lassen.

Somit wurde zuerst einmal das Tiefland nördlich der Hauptstadt überschwemmt, unzählige Städte, Dörfer und Industriestandorte, die dort stehen, sind einfach zu Seen geworden. Und nun ist der Druck der Wassermassen so gross, dass die ersten Vororte der Hauptstadt versinken und die angrenzenden Provinzen westlich und vor allem östlich der Hauptstadt das Ganze abbekommen. Und unsere Provinz, Chachoengsao liegt ja östlich von Bangkok. Auch durch unsere Provinz schlängelt sich ein grosser Fluss, der Bang Pakong River, der auch voll ist und nicht mehr viel zusätzliches Wasser aufnehmen kann. Es sind schon Bezirke betroffen, so Ban Nam Prieo, Ban Pho und Bang Khla. Wir selbst sind bis jetzt verschont geblieben und ich hoffe, dass wir es bis zum Schluss bleiben werden. Ich habe allerdings etwas vorgesorgt, ich habe Sandsäcke vorbereitet um bei einem eventuellen Ereignis mehr oder weniger gewappnet zu sein. 

Am meisten berührt mich bei der ganzen Hochwasserkatastrophe, wie die Thais damit umgehen. Eine riesige Welle der Solidarität unter der Bevölkerung ist zu sehen und die betroffenen Menschen nehmen dieses Ereignis mit einer Gelassenheit, da muss ich schon sagen, Hut ab, das imponiert. Es wird Nahrung und Trinkwasser gespendet, Freiwillige schaufeln Sand in Säcke und helfen an den Dämmen, diese damit zu verstärken. 

Und in dieser Zeit habe ich Besuch aus der alten Heimat. Meine Schwester und eine meiner Schwägerinnen kamen uns besuchen. Ich musste natürlich das Programm etwas ändern, da viele Besuchsdestinationen nicht erreicht werden konnten. Zum Glück ist aber Richtung Meer das Reisen kein Problem und auch Besuche in Bangkok waren möglich, da die inneren Bezirke zumindest bis jetzt sehr wohl trockenen Fusses machbar waren. Also auch das Shoppen war möglich. Und auch das Wetter hat meistens mitgespielt. Es hat natürlich schon geregnet, aber wir hatten auch richtig schöne heisse Tage mit blauem Himmel und so denke ich, dass die beiden es trotzallem genossen haben. Sie konnten aber auch Gebiete in der näheren Umgebung sehen, die überschwemmt waren und sich so eine Vorstellung machen, was da so abgeht, wenn man im Zentrum des Hochwassers sein würde. 

Am Freitag nun fliegen sie wieder zurück und ich hoffe, sie nehmen trotzallem viele gute und schöne Erinnerungen mit nach Hause. 

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