Was denken solche Menschen?
29.08.2010
Es ist morgen halb sieben, es regnet und ich will noch etwas weiterschlafen. Es scheint ein ruhiger und gemütlicher Tag zu werden.
Da ruft Pratuang, ich soll bitte schnell nach unten kommen, es wären viele unserer Strassenhunde vergiftet. Ich rase die Treppe runter und auf die Strasse raus. Als erstes sehe ich meinen Lieblings Strassenhund Lala, sie liegt an ihrem Lieblingsplatz, aber jetzt ist sie tot. Unsere Nachbarin Mi hat Pratuang gerufen und ihr unter Tränen gesagt, dass etwas mit den Hunden nicht stimmt. Neben Lala, die schon tot da liegt, torkelt Mali, einer ihrer drei Hunde, benommen rum, kotet unkontrolliert und macht einen jämmerlichen Eindruck. Mi und ich flössen ihr sofort rohe Eier ein. Ich habe bis jetzt nicht gewusst, dass diese Methode hilft. Aber ich mache es. Kurz darauf zeigt Panda die gleichen Symptome, also auch hier sofort rohe Eier einflössen. Danach sucht Mi ihren 3ten Hund Pepsi. Ich höre schon bald, dass sie Pepsi gefunden hat, aber zu spät. Der zweite tote Hund. Ich trage die beiden Kadaver erst mal weg. Nun sehe ich unter meinem Wagen einen weiteren Hund, ich nenne sie Zuckermaus, die Vergiftungssymptome zeigt. Wieder rohe Eier einflössen und beten, dass es hilft. Ich suche nun mal die Gegend ab um eventuell noch weitere Hunde zu finden. Denn einer unserer Strassenhunde fehlt noch. Ich finde ihn aber nirgends. Unser Hund Baby und die Schwester von Lala scheinen nicht betroffen zu sein. Vorsichtshalber gibt es aber für beide etwas rohes Ei und sie bleiben im Vorhof.
Drei alte erfahrene Strassenhunde scheinen schlau genug gewesen zu sein, nichts vom vergifteten Futter gefressen zu haben. Die toten und die erhalten Vergifteten, die Glück gehabt haben, waren alles junge und unerfahrene Hunde. Das vergiftete Futter habe ich nicht gefunden, entweder haben sie alles gefressen oder die Täter haben die Reste weggeräumt. Und ich will nicht spekulieren, wer es denn getan haben könnte, ohne Beweise bringt das nichts und Hunde vergiften ist hier meines Wissens kein Strafdelikt.
Nun hebe ich wieder mal eine Grube aus, zum zweiten Mal innerhalb von sechs Wochen. Damals fanden wir abends eine unserer Hündinnen schon vergiftet vor, und eine Nachbarin hatte ebenfalls an gleichen Tag einen vergifteten Hund. Komisch, es regnet noch immer und ich grabe unter Bäumen eine Grube für zwei Hunde. Und ich denke, was wir alles für diese Hunde gemacht haben. Gegen Tollwut geimpft, die weiblichen Hunde mit Antibaby Spritzen behandelt. Lala noch vor 4 Wochen in einer aufwändigen Aktion behandelt. Sie kam eines Morgens total mit flüssigem Teer verklebt (etwa 35% ihres Fells waren betroffen). Wir haben sie mit Hilfe unseres Tierarztes betäubt und danach während beinahe vier Stunden rasiert und bis auf die Haut gereinigt. Und sie hat das überstanden und mit Anhänglichkeit belohnt. Und nun das.
Es ist klar, dass es in Thailand zu viele Hunde gibt. Aber das kann und sollte man nicht mit vergiften lösen. Erstens die Qualen, die diese Tiere dabei erleiden und zweitens, es kann doch auch einmal ein Kind betreffen, was dann? Thais haben zu Tieren ja ein etwas anders Verhältnis als wir. Tiere sind da zum essen, und ansonsten stören sie eher als dass man sie mag. Hunde höchstens als Wachhund, aber auch diese Tiere haben meistens wirklich ein Hundeleben.
Ok, daneben es hat sich ein Trend entwickelt, vor allem im städtischen Bereich, dass man sich Modehunde anschafft, gerne kleine, die dann verwöhnt werden, da könnten viele Kinder blass werden vor Neid, aber dabei natürlich überhaupt nicht Artgerecht gehalten werden. Resultat dann, total verfette Hunde, die keinen Schritt laufen, wie ihre Besitzer, und sicher kein lebenswertes Hundeleben führen. Und wenn man dann genug hat von ihnen, weg damit, irgendwo rausgeschmissen und aus den Augen, aus dem Sinn.
Dabei wäre es relativ einfach, etwas gegen die Hundeschwemme zu tun. Junge Rüden kastrieren und Hündinnen impfen mit einem Antibaby Medikament alle sechs Monate und man hat Ruhe, wie wir in unserer Strasse bewiesen haben. Seit fast einen Jahr keine läufigen Hündinnen mehr und kein Nachwuchs. Eine Portion kostet 60 Baht (2 Franken) und es gibt sogar die Möglichkeit, dass man dieses Medikament vom Staat gratis bekommt. Wir haben soeben wieder 12 Portionen eines Tollwut Medikaments und 4 Portionen Antibaby Medikament gratis erhalten. Nur die Impfung muss man dann noch machen. Das nimmt dir niemand ab. Und da kommt dann eben die Einstellung der Menschen hier zum Tragen. „Ist nicht mein Hund, also auch nicht mein Problem. Ist zwar Scheisse, so viele Hunde, aber etwas machen, nein, weil es ist eben nicht mein Problem ist.“
Es gibt aber auch andere Menschen hier, die wirklich etwas tun für Hunde. Unser Tierarzt zum Beispiel, der kein Tier aufgibt, dass man ihm bringt, oder da habe ich beim Tierarzt einen Mann angetroffen, der einen Hund angefahren hat und mit diesem dann zum Tierarzt fuhr. Auf meine Frage, warum er das macht, sagte er mir, er habe ihn verletzt, also müsse er sich nun um ihn kümmern. Eine sehr seltene Erscheinung hier. Und es gibt auch Leute, die regelmässig Strassenhunde füttern. Viele verwenden dazu relativ viel Geld und Zeit. Das ist aber nicht nur gut, sondern auch ein Problem. Das Futter wird meistens einfach irgendwo hin gekippt, es handelt sich dabei meist um Essensreste, und die sind nicht immer bekömmlich. So kann es denn sein, dass Essensreste rumliegen, denn aufräumen tut man danach nicht. Und in der Nacht kann man dann Ratten sehen, die sich daran gütlich tun. Und an der Abfall Sammelstelle sieht man immer wieder Hunde, manchmal auch einen Waran, die sich in den Abfällen nach Futter umsehen und natürlich auch so gefährdet sind für Vergiftungen. Wir füttern unsere Strassenhunde immer indem sie das Futter in Schüsseln bekommen die danach gereinigt werden. Ich hoffe dabei natürlich, dass sie wegen meiner regelmässigen Fütterung nicht im Abfall nach Futter suchen und nicht jeden Dreck fressen. Das hat diesmal leider nicht funktioniert.
Heute Abend sind Mali, Panda und Zuckermaus wieder Wohlauf. Die Behandlung mit rohen Eiern hat also geholfen. Zusammen mit Baby und Lulu sind sie wohlauf. Ich hoffe, dass bleibt so, werde jetzt aber mehr aufpassen, dass sich so etwas nicht mehr wiederholt.
