Tam Boon Thanon
26.12.2010
Wenn in Thailand etwas erledigt worden ist, sei es ein Hausbau, ein Geschäft, ein Autokauf oder eben wie in diesem Fall eine Strasse, so wird zum Dank dafür ein Tam Boon abgehalten.
Tam Boon bedeutet „etwas Gutes tun“ hier also man bedankt sich, dass die Strasse gebaut wurde. Zur Geschichte der Strasse habe ich ja schon öfters geschrieben. Als die kleine Siedlung gebaut wurde vor etwa 15 Jahren, wurden eben nur die Häuser gebaut, Strom, Telefon und Wasserleitungen verlegt und fertig. Die Strasse bestand nur aus einer dünnen Kiesschicht die immer dünner wurde und verwilderte und eine Abwasserleitung gab es ebenfalls nicht. Nachdem wir 2007 das Haus gekauft hatten und begannen, es zu renovieren, war klar, das Fehlende muss noch organisiert werden. Im Jahr 2008 sprachen wir zum ersten Mal auf der Gemeinde vor, zeigten denen, was wir schon selbst gemacht hatten und fragten höflich an, ob sie den Rest, eine befestigte Strasse und Abwasserleitungen bauen würden. Mit grossen Worten und beeindruckt, von unseren freiwilligen Leistungen an der Strasse versprach man uns, man kümmere sich im 2009 darum. Das Jahr 2009 verging ohne dass etwas geschah. Nachbarn erzählten uns, dass sie schon öfters vergeblich sich darum bemüht hätten in der Vergangenheit. Aber aufgeben, nein eher nicht, dachten wir zwei uns. Wir insistierten weiter und anfangs dieses Jahres kamen ein paar Vermesser vorbei und nahmen Mass an der Strasse. Wir erkundigten uns, ob es vorangehe mit dem Projekt. Ja, man denke, im Oktober könnte was geschehen.
Und dann begann der Bau ja sehr schnell schon im Mai 2010. Ein Behördenvertreter erklärte den Nachbarn, dass die Strasse nun gebaut würde, auf Grund unseres Engagements und unseres Einsatzes. Zum Schluss haben ja nun alle Nachbarn davon profitiert, auch die wenigen, die zuerst eher böse waren, weil die Gemeinde erst etwas unternommen hat, als wir Zugezogenen darum gebeten hatten. Es wurde dann darauf hin beschlossen, nach Beendigung der Arbeiten ein Tam Boon Thanon (Thanon heisst Strasse) zu machen. Mit den Mönchen des Tempels, welcher sich in unmittelbarer Umgebung von uns befindet, wurde dann ein Datum gesucht, das allen Umständen entsprach, die gut waren für ein gelungenes Dankfest. Und es wurde dann der 26.Dezember festgelegt. Also begannen die Vorbereitungen anfangs Dezember. Ein Zelt organisieren, Spenden sammeln, denn wir wollten nicht alles aus eigenem Sack bezahlen. Helfer suchen, usw.
Geldspenden werden gesammelt für den Tempel und die Mönche. Das Geld für den Tempel wird demonstrativ an einen Spendenbaum gehängt, damit jeder sehen kann, was und wie viel für den Tempel gespendet wurde. Und dieses Geld müssen die Mönche dann auch für den Tempel verwenden. Spenden an die Mönche direkt werden in einem Briefumschlag übergeben. Diese Spende darf der Mönch dann für sich behalten. Spenden sammeln, das ist gar nicht so einfach. Sicher sind die Leute hier nicht reich, aber wenn man sieht, für was sie Geld ausgeben oder wenn man hört, wie sie „prahlen“ und dann die Spende sieht, na ja. Aber es sind hier nicht alle so. Es gab auch dicke Überraschungen, eine unserer Nachbarinnen, mit der wir öfters „Probleme“ hatten, spendete für ihre Verhältnisse sehr grosszügig und machte mit. Wenn das so bleibt, ist unsere Umgebung um ein positives Beispiel reicher. Auch zwei andere Nachbarn waren sehr generös. Und der Rest hat eben so viel gegeben, wie sie konnten oder mussten.
Am Sonntagmorgen wurde dann das Zelt vorbereitet, Essen gekocht, alles schön hergerichtet und alles auf Hochglanz poliert. Nach der Ankunft der Mönche begann dann die Zeremonie mit dem typischen „chanting“ der Mönche, gesungene Gebete, die von den Anwohnern im Wechsel mit gebetet wurden. Anschliessend wurde das Essen aufgetragen, wir hatten natürlich vorher gefragt, was sie gerne haben. Und die meisten Nachbarn haben selbst gekocht und diese Mahlzeiten dann gebracht, so dass ein reichliches mehrgängiges Essen aufgefahren werden konnte. Nachdem die Mönche gegessen hatten, wurden die Spenden übergeben und zum Abschluss segnete der „höchste“ anwesende Mönch die neue Strasse um sie vor allem Unbill zu schützen. Ich hoffe natürlich, dass es hilft, brauchen kann man das immer. Nachdem die Mönche dann wieder abgefahren sind, begann für alle anwesenden Nachbarn ein grosses Festessen. Es waren natürlich genug Speisen da, dafür hat man schon gesorgt. Ich hoffe nun natürlich, dass wir hier weiterhin friedlich zusammen leben können, was dann ein Erfolg wäre. Noch zum besseren Verständnis. Man hört immer wieder von Bettelmönchen, die Speisen einsammeln oder denen Speisen dargereicht werden wie heute auf dem Tam Boon. Das ist aber kein Betteln, sondern es ist für die Menschen, die etwas geben, eine Ehre und sie erhoffen sich dadurch den Erhalt von Gnade und Glück.
Wir kennen ja das Sprichwort, „Geben ist seliger denn Nehmen) und genau so ist es hier. Und auch bei uns wird mehr oder weniger alles gesegnet, also gar kein so grosser Unterschied zwischen den zwei Religionen.
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