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Sonntag, 20.05.2012

Hochzeit auf Thailändisch

05.07.2009 

Eine Nichte von Pratuang heiratet.

Am Sonntag den 05. Juli waren wir zur Hochzeit von Mem, einer Nichte von Pratuang eingeladen. Sie hat mich dabei gebeten, ob ich als Fotograf fungieren würde, was ich ihr zusagte. Der Beginn der Feier war, anders als bei uns üblich, bereits auf den frühen Morgen 08:00 Uhr festgelegt. Als erstes wird bei einer traditionellen thailändischen Hochzeitsfeier eine Zeremonie mit Mönchen im Haus abgehalten. Die Mönche wurden vom Vater der Braut abgeholt. Das grösste Zimmer war festlich heraus geputzt und geschmückt worden. Mit dabei ist bei solchen Feierlichkeiten auch ein Zeremonienmeister, meistens ein älterer Mann, den man engagiert, der die Rituale aus Überlieferungen kennt und so durch die ganze Festivitäten führt. Er weist dabei vor allem die Brautleute ein, wann sie was und wie sie es zu machen haben. 

 Nach längeren Gebeten und rituellen Abhandlungen, welche aber nicht immer so ernst daher kommen, wie man sich das aus unserer Sicht vielleicht vorstellen würde, wurde der erste Teil abgeschlossen, die Mönche wurden mit Speis und Trank bewirtet und anschliessend wieder zu ihrem Tempel zurück gebracht. Zwischendurch gingen die geladenen Gäste immer mal wieder schnell im daneben liegenden Nachbarshaus etwas essen, welches dort am laufenden Band gekocht wurde. Essen ist ja in Thailand eines der wichtigsten Dinge, man lässt so manches aus, aber wenn irgendwie möglich, nie ein Essen. So ist es auch eine Höflichkeitsformel, sich zur Begrüssung zu fragen, hast du schon gegessen " Gin Khao leo“ Inzwischen hatte nun die Familie des Bräutigams sich vorbereitet, um den Bräutigam zum Haus der Braut zu bringen. 

Symbole wie Bananenstauden und Blumen und Geschenke wurden zusammen gestellt und danach in einer kleinen Prozession und typischem Gesang zum Haus der Braut gebracht. Der Bräutigam durfte aber nicht einfach so in das Haus kommen. Er musste symbolische kleine Beträge an die schon im Haus anwesenden bezahlen und sich somit den Zutritt erkaufen. Danach begann dann der zweite Teil der Trauung. Und hier unterscheidet sich eine Hochzeit dann doch erheblich von unserer Vorstellung. Das Wichtigste scheint dabei, dies aus meiner Sicht, es muss etwas hermachen. Man muss zeigen was man hat und was man gibt. Da stand nun zürst mal eine Schale vor dem Brautpaar mit reichlich viel Geld und goldglänzendem Schmuck. Die Eltern des Brautpaares legen dann demonstrativ noch mehr dazu. Danach beginnt die Parade der Gäste mit den Spenden. Briefumschlag um Briefumschlag, natürlich mit dem Namen drauf, die sollen danach ja auch wissen, wer wie viel gegeben hat, wird nun an das Brautpaar übergeben und von denen mit einem kleinen symbolischen Geschenk verdankt. 

Das zwingt die Leute dazu, relativ grosszügig zu sein, auch wenn sich der eine oder andere das eigentlich gar nicht leisten kann. Auch die Hochzeitsfeier an sich ist ein Posten, der manche Familie dazu bringt, sich zu verschulden, denn eine kleine, einfache Feier, das geht nicht, was könnten den die Nachbarn denken. Also lieber Schulden machen, irgendwie wurstelt man sich dann schon durch. Nach dem Spendenmarathon begann dann die Feierlichkeit mit den traditionellen Ritualen. Eine schöne und farbenprächtige Feier, an der immer wieder die Eltern einbezogen werden. Und anschliessend auch alle Anwesenden, die dem Brautpaar etwas Weihwasser über die Hände leeren um ihnen Glück mit zu geben. Anschliessend folgt dann der obligatorische Fototermin, Brautpaar mit Eltern, mit Verwandten, Bekannten, Freunden und so weiter, alle wollen mal aufs Bild. Und dabei schaün alle so ernst drein, ein Phänomen, das ich hier immer wieder antreffe. Wenn ich jemanden frage, ob ich ein Foto machen darf, folgt ein ja, und sofort steht das Objekt in Achtungstellung da. Fast keine Chance auf ein lockeres Bild, wo mal ungezwungen gelächelt wird. Deshalb mache ich meistens am Schluss noch ein Bild, wenn die denken, ich sei bereits fertig, und bekomme dann eher mal ein gutes Bild. Anschliessend, es war nun beinahe Mittag erfolgte der Transfer zum Mittagessen, welches in einer nahe gelegenen Schule stattfand. 

In dieser Schule ist die Braut als Aushilfslehrerin beschäftigt und durfte deshalb dort das Essen abhalten. Wie in Thailand üblich, wurden Tische bestellt. Das heisst, man bestellt bei einem Restaurant ( Catering ) eine gewisse Anzahl Tische, mit im Durchschnitt 6 - 8 Stühlen pro Tisch und einem kompletten Essen, dass ist Reis mit mindestens 5 - 6 verschiedenen Gerichten, pro Tisch. zu einem Festpreis.Dazu Getränke und die Bedienung. Hier waren es etwa 25 Tische mit geschätzten 180 Gästen. Auch hier wurden zuerst wieder Fotos gemacht, vom Brautpaar, und dies unter einem Rosenbogen, und dann wieder jeder Mal zusammen mit dem Paar. Und auch jetzt kamen noch Gäste, welche es nicht früher geschafft hatten und übergaben den obligatorischen, rosafarbenen Umschlag. Nun wurde nun zum Essen gebeten. Das Brautpaar selbst hatte aber keine Zeit zum Essen, sie und die Eltern wurden nun auf eine Bühne gebeten und es wurden nochmals Grüsse und Dank an die jeweiligen Familien der Braut und des Bräutigams gerichtet. 

Braut und Bräutigam begaben sich nun auf einen Rundgang im Speisesaal um sich einzeln bei jedem für alles zu bedanken und nochmals ein Foto zu machen. Anschliessend wurde natürlich noch das unvermeidliche Karaoke in Gang gebracht und viele versuchten sich in einer thailändischen Lieblingsbeschäftigung mit meistens aber eher dürftigem Erfolg, was aber den Spass der Leute keineswegs schmälerte. Nach für unsere Begriffe sehr kurzer Zeit (eine knappe Stunde) war das Essen abgeschlossen und die Gäste verabschiedeten sich. Für mich war dies Mal eine etwas andere Hochzeitsfeier, die nicht mit feiern bei uns verglichen werden kann, aber trotzdem schön war. Ich hoffe, dass die Braut mit meinen Bildern zufrieden ist, denn wiederholen kann ich das Ganze ja nicht, wenn sie ihr nicht gefallen sollten. In der Zwischenzeit hat sie die Bilder abgeholt und war total zufrieden damit. Ich habe ihr einige ausgedruckt, den Rest kann sie sich selber drucken. 

Mehr Bilder dazu gibt es im Bilderarchiv.