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Sonntag, 20.05.2012

Stress in der Nachbarschaft

28.09.2008

Im Moment läuft es nicht ganz so, wie wir es uns verstellen.

Kann sein, dass wir zu stark auf Sauberkeit achten, aber viele Leute, die vorbeikommen, machen Komplimente und sind erstaunt, dass man mit relativ wenig Einsatz so viel erreichen kann. Und es gibt schon viele Gemeinden, die da sehr fortschritlich sind, öffentlich Abfallkübel aufstellen und auch regelmässig leeren. Dies erscheint mir aber abhängig von der jeweiligen Provinzregierung. Und da gibt es noch sehr grosse Unterschiede.

 Einer unserer Nachbarn stellt sich im Moment permanent quer. Es scheint, als würden die gerne in Dreck und Unordnung leben. Es kann aber auch sein, dass sie eifersüchtig sind, weil die anderen Nachbarn alle zusammen an einem Strang ziehen. Und zugeben, dass man falsch liegt, geht hier in Thailand nicht, man könnte ja sein Gesicht verlieren. Also lieber sehenden Auges hinein in die Sche…. Dabei müssen sie nichts zusätzlich machen. Nur etwas sauberer sein. Aber nein, im Moment ist ihr Hobby, Abwasser auf die Strasse zu leeren, um uns alle zu nerven. 

Aber das gibt es ja auch bei uns in Europa, Nachbarn die gerne streiten. Wir reparieren die Strasse, was eigentlich die Gemeinde machen sollte, ( aber die haben , scheint es , kein Geld oder keine Zeit oder keine Lust ), halten alles sauber und unterhalten alles . Und ich habe etwas zu tun und bleibe in Form. Schade, und ein Unding, dass mit dem Gesicht verlieren. Ich hoffe immer noch, dass hier irgendwann eine Generation heranwächst, die dass ebenso sieht. Würde den Leuten gut tun, und etwas mehr Selbstvertrauen geben. Denn Thais fürchten sich immer. Angst davor, dick zu werden, Angst davor, braun zu werden, Angst davor, etwas nicht zu können, Angst in allen möglichen Formen. ( guah = Angst , neben mailuuh = ich weiss nicht und lüühm = vergessen, einer der häufigsten gehörten Ausdrücke hier).

Allerdings , vor dem Tod fürchten sich Thais, glaube ich , nicht. Wenn ich da so im täglichen Verkehr ihr Verhalten sehe, schlicht und einfach ein Graus. Da wird Hemmungslos ohne Helm gefahren, mit mehreren Passagieren drauf, überholt an allen möglichen und unmöglichen Stellen und Momenten. Die Busse von 200 Baht für Fahren ohne Helm wird bezahlt, wenn man erwischt wird , macht zwar weh, aber meistens wissen sie schon, wo die Polizei steht. Die Autofahrer sind alles kleine Schumis. Rasen, überholen in Kurven , Spur wechseln ohne blinken, und wenn sie blinken, nicht in den Rückspiegel schauen, ich habe ja geblinkt, pass du hinten auf, nicht ich. Auf der falschen Seite fahren, damit kann man einige Meter sparen, und Benzin ist ja so teuer. Licht machen , so spät wie möglich, denn ich sehe ja noch genug. Und Lastwagen und Busfahrer, entweder stehen die so unter Druck ihrer Chefs und rollen so ziemlich rücksichtslos über die Strassen, oder sie denken, je grösser das Vehikel , um so selbstverständlicher ist es, dass man ihnen Platz macht. Auf unserer letzten Fahrt nach Sukothai kamen wir an einem Unfall vorbei. LKW gegen Töfffahrer. Dieser tot am Boden liegend, kein Helm , viel Polizei, die alles aufräumen musste. 20 Meter weiter, Töfffahrer ohne Helm , total unbeeindruckt, von dem , was sie eben gesehen hatten , mit Vollgas fahrend, wie wenn nichts geschehen wäre. 

Wir beide waren dagegen sehr aufgewühlt und konnten an diesem Abend nur schlecht einschlafen. Auch bei meiner Autoprüfung wurden uns Bilder von wirklich verheerenden Unfällen gezeigt, um uns zu sensibilisieren . Auf mich wirkte dies sehr lange und stark nach. Andere Prüflinge verliessen nach dem Erhalt des Ausweises stolz den Laden und schwangen sich ohne Bedenken ohne Helme auf ihre Töffs. Zugegeben, es gibt auch sehr fortschritlich denkend und handelnde Leute hier, aber die sind noch stark in der Minderheit. 

Trotzdem liebe ich dieses Land und finde es herrlich hier und fühle mich wohl als Gast dieses Landes. Und ich versuche in Gesprächen immer wieder die Leute zum Nachdenken zu bringen, dass der Schutz der Umwelt und der Menschen ein absolutes Muss ist, wir haben das in Europa auch schmerzlich lernen müssen. Und ich denke, ein Vorbild abzugeben ist besser, als die Leute zu beschimpfen und zu etwas zwingen, was sie nicht wollen. Also räume ich still weiter auf und halte das Quartier in Schuss, hoffend, dass es Nachahmer geben wird. 

Ich werde bei Gelegenheit mal einige Bilder von Verkehrssituationen zeigen. Man sieht da Sachen, komische, lustige und eben sehr viel gefährliche.