Strassenbau vom Anfang bis zum Ende
27.10.2008
Als wir hier ankamen, war die Strasse zu unserem Haus eigentlich eher ein Dschungelweg.
Gesäumt mit hohem Gras, auf der einen Seite abgegrenzt durch eine Mauer des Nachbargrundstücks und auf der anderen Seite hohes Gras, Bäume, Sträucher und ein Wassertümpel, gefüllt mit Abfall und Abwasser. Also alles in allem nicht unbedingt als wohnlich zu bezeichnen.
Uns war schon damals klar, dass bedeutet Arbeit und Verhandlungen mit der Gemeinde. Die schon hier wohnenden Nachbarn schien das alles nicht unbedingt zu stören. Zwar sagten einige, man hätte schon versucht mit der Gemeinde zu reden, hätte aber nie Erfolg gehabt. Und da die Umgebung ihrer Häuser nicht ihnen gehört, fühlten sie sich auch nicht zuständig. Wir zwei sahen und sehen das alles etwas anders. Um sich wohl zu fühlen, muss es sauber sein, egal wo, im Haus, am Haus und ums Haus herum. Und wenn niemand hilft, so Hilf dir selbst. Am Anfang wurden wir darüber schon belächelt. Warum machen die etwas, dass nicht in ihre Zuständigkeit fällt? Für die Nachbarn unvorstellbar, öffentlichen Grund und Boden zu säubern. So nach dem Motto, gehört nicht mir, geht mich nichts an.
Allenfalls kann ich diesen Platz benutzen um meinen Abfall zu entsorgen, was auch kräftig und sehr intensiv gemacht wurde, und teilweise leider noch immer gemacht wird. Wir liessen uns nicht beirren und begannen Stück für Stück, die Strasse zu reparieren. Gras mähen, Bäume schneiden. Löcher in der Strasse zu flicken, Abfall wegzuräumen, erste Blumenkübel zu bepflanzen und an den Strassenrand zu stellen. Die Nachbarn sahen dies mit Verwunderung, aber zunehmend auch mit Freude. Und unser Vorbild begann zu wirken. Ein Nachbar nach dem anderen begann nun selbst vor seinem Haus aufzuräumen und Blumen zu pflanzen. Auch wurde eine Petition an die Gemeinde verfasst, mit der Bitte, die Strasse nun endlich zu flicken. Es geschah aber nichts. So begannen wir mit einigen Nachbarn, selbst Kies und Bauschutt mit unseren Autos zu holen zu holen und damit die Strasse zu reparieren, und aufzufüllen, wo es den nötig war. Bis auf einen Nachbarn waren nun alle dabei und halfen mit. Gleichzeitig gelangten wir noch einmal direkt an die Gemeinde.
Durch eine Nachbarin, die den zuständigen Beamten kennt, wurde uns eine Audienz bei ihm ermöglicht. Uns siehe da, er versprach, Mitarbeiter vorbei zu schicken, welche sich das Problem ansehen sollen. Und kurzfristig wurde uns versprochen, einige Lastwagen Kies zu schicken, damit die Strasse etwas aufgemotzt werden kann. Und es kamen wirklich Beamte vorbei und haben die Strasse vermessen und ihren Auftrag erklärt, die Strasse wird richtig befestigt, spätestens im nächsten Jahr. Auch regelten sie noch einige Unklarheiten mit dem einen Nachbarn, der die Strasse als Garage und Abwasserkanal benutzt. Dies wurde ihm umgehend untersagt, was ihn nicht glücklich machte, alle anderen aber umso mehr. Und dann wurde uns der Termin genannt, wenn der Kies angeliefert wird. Also begannen wir. Die Pflanzringe zu entfernen, die Strasse schon etwas zu ebnen, die Randsteine mussten alle weg und alle Nachbarn mussten informiert werden, dass vor den Häusern der Platz geräumt sein muss. Am Tag der Lieferung kam aber nichts. Also bei der Gemeinde angerufen, ob es Probleme gebe? Nein, man sei an der Arbeit. Wir fragten, wo, und es stellte sich heraus, die Arbeiter hatten eine falsch Strasse ausgesucht, und dort mit der Arbeit begonnen. Man entschuldigte sich und versprach, am nächsten Tag zu kommen.
Und sie kamen. Die Arbeiter waren nicht schlecht erstaunt, dass alle Nachbarn, die es einrichten konnten, mit Haken und Schaufeln warteten und sofort begannen, den Kies zu verteilen und zu ebnen. Der Vorarbeiter hatte gerechnet, einen Tag zu benötigen. Nach einer halben Stunde war der Kies der ersten beiden LKWs bereits abgeladen und verteilt. Es war nicht genug du er meinte, er käme am nächsten Tag mit mehr. Pratuang konnte ihn aber überzeugen, sofort nochmals Kies zu holen und erliess sich darauf ein. Bis am Mittag war dann aller verfügbare Kies angekarrt und abgeladen. Unter Mithilfe meiner Nachbarn und den Gemeindearbeitern ging die Arbeit flott voran.
Der Kies reichte nicht ganz, aber mehr gab`s nicht. Und natürlich hatte ein Nachbar seinen Platz vor dem Haus nicht geräumt, und diese Stelle konnte dann nicht sauber eingekiest werden. Später regte er sich furchtbar auf, aber wir sagten ihm, dass alle, also auch er es gewusst hat, wann die Gemeinde kommt. Er macht aber aus Prinzip immer das Gegenteil. So klaute er dann beim ersten Regen, als sein Platz vor dem Haus überflutet war, den Kies vom Nachbarn, der nicht zu Hause war. Nun hat der jeweils Wasserlachen, wenn es regnet. Und sein Abwasser entsorgt er weiterhin auf die Strasse. Ich bin aber zuversichtlich, dass wenn die Strasse dann befestigt wird, entweder Beton oder Teer, er damit Probleme hat, weil die Gemeinde nur das Regenwasser über die neue Strasse fasst. Nun, nachdem wir fertig waren, holten wir einen sogenannten Nudelwagen, eine mobile Nudelküche und versorgten alle, die mitgeholfen hatten, mit einem Mittagessen. Die ganze Zeit während der Arbeit gab es Getränke unlimitiert. Die Arbeiter der Gemeinde hatten so etwas noch nie erlebt und haben es sichtlich genossen, freies Essen und Trinken zu bekommen. Als Dessert gab`s dann noch Eiscreme. Danach verabschiedeten sich die Arbeiter der Gemeinde. Und für mich ging`s es nun daran, alle Pneus wieder an der Mauer entlang zu setzen, mit Erde zufüllen und wieder zu bepflanzen. Danach setzte ich mit grossen Bauschutt-Stücken die Abgrenzung zu den Ringen und auf der anderen Strassenseite als Abgrenzung zur Bepflanzung. Am Eingang zu unserer Strasse setzten wir dann drei Betonröhren, in welche wir dann drei Flaggen, die Thailändische Flagge, die Flagge des Königs und die Flagge der Königin einbetonierten, sodass die Wahrscheinlichkeit gut ist, dass diese nicht so schnell wegkommen.
Was noch fehlt, ist ein schönes Strassenschild mit dem Namen der Strasse. Dies wollen wir aber erst machen, wenn die Strasse dann nächstes Jahr befestigt ist. Und der Name der Strasse, denn wollen wir dann in Absprache mit der Gemeinde ändern, wir sind uns aber noch nicht einig, wie er lauten soll. Wir denken da an „Strasse der Zufriedenen“, oder „Strasse der Freundschaft“, oder ….. Warum die Gemeinde übrigens mitgemacht hat zum guten Schluss? Sie war beeindruckt, dass Leute freiwillig etwas für das Gemeinwohl machen und auch, das ein Gast aus dem Ausland sich daran beteiligt, dazu beizutragen, dass die Gemeinde sauberer und schöner wird. Und das wir Thailand und das Königshaus achten und respektieren. Und das wir aus eigener Tasche viel Geld dafür investiert haben. Ohne sicher zu sein, dass die Gemeinde danach weiter machen wird. Das hat sie sehr beeindruckt.
Und ich konnte meinen Nachbarn beweisen, man muss auch freiwillig dazu beitragen, etwas zu tun, und nicht fragen, warum, das gehört nicht mir, also interessiert es mich nicht, und dass dies sich auszahlen wird. Heute wird unsere Strasse bewundert und von Händlern frequentiert, die vorher nie durchgefahren wären. Und sie ist praktisch immer sauber, na ja, bis auf eine Ausnahme, aber auch da bin ich mir sicher, irgendwann ist auch das dann Vergangenheit. Und so macht wohnen dann richtig Spass.




